Renk Group

Fokussierung auf die Rüstungsdividende: Renk bereinigt sein Portfolio

Getriebebauer verkauft Gleitlager-Sparte nach Österreich

Florian Kappel/23.10.2026, 08:05
Fokussierung auf die Rüstungsdividende: Renk bereinigt sein Portfolio

Der börsennotierte Augsburger Antriebstechnik-Spezialist Renk Group treibt seine Neuausrichtung konsequent voran. Wie das Unternehmen bekannt gab, wird der Geschäftsbereich Gleitlager an den österreichischen Technologiekonzern Miba AG veräußert. Mit diesem strategischen Schritt trennt sich Renk von einem klassischen Industriesegment, um finanzielle und personelle Ressourcen noch gezielter auf das boomende Verteidigungsgeschäft auszurichten. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Parteien Stillschweigen.

Die Details des Gleitlager-Deals

Das veräußerte Gleitlagergeschäft ist im niedersächsischen Hannover angesiedelt. Rund 300 Mitarbeiter fertigen dort Lager für Elektromotoren, Generatoren und Pumpen – Produkte, die primär im zivilen Industriesektor Anwendung finden. Für den Käufer, die oberösterreichische Miba AG, stellt die Akquisition eine komplementäre Ergänzung des eigenen Portfolios dar. Miba-Chef F. Peter Mitterbauer betonte, man wolle die Technologie nutzen, um das Angebot im Bereich der Energiewende, der Netzeinspeisung erneuerbarer Energien und der Stromversorgung von KI-Rechenzentren auszubauen.

Am Renk-Hauptsitz in Augsburg, wo knapp 2.000 der weltweit rund 4.500 Mitarbeiter beschäftigt sind, hat die Transaktion keine direkten strukturellen Auswirkungen. Hier werden keine Gleitlager produziert. Stattdessen dient der Teilverkauf dazu, die operative Komplexität der Gruppe zu reduzieren und Management-Kapazitäten für das historische Wachstum im Rüstungsbereich freizusetzen.

Rüstungsboom treibt Augsburger Produktion an

Hintergrund der Portfolio-Bereinigung ist die anhaltend hohe Nachfrage nach Militärtechnik, getrieben durch geopolitische Verschiebungen und die Modernisierungswelle der NATO-Streitkräfte. Renk ist einer der weltweit führenden Hersteller von Spezialgetrieben für Kettenfahrzeuge, darunter der Kampfpanzer Leopard 2.

Wie stark das Segment wächst, verdeutlichen die Produktionszahlen, die Emmerich Schiller, Vorstand für Produktion und Personal, kürzlich skizzierte. Demnach wird Renk im laufenden Jahr in Augsburg mehr als 800 Panzergetriebe fertigen. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei unter 600 Einheiten. Langfristig visiert das Management eine Jahresproduktion von rund 2.000 Getrieben am bayerischen Standort an.

Um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen, investiert das Unternehmen massiv in den Ausbau der Kapazitäten und die Effizienz der Fertigungslinien. Auch personell wächst Renk in hohem Tempo: Im kommenden Jahr soll die Zahl der Beschäftigten am Standort Augsburg die Marke von 2.000 überschreiten. Innerhalb der nächsten fünf Jahre plant der Vorstand, allein im Augsburger Werk mehrere Hundert neue Fachkräfte einzustellen. Auch der nordrhein-westfälische Standort Rheine steht ganz im Zeichen des militärisch getriebenen Wachstums.

Zweigleisige Strategie im zivilen Geschäft

Trotz des Verkaufs der Gleitlager-Sparte zieht sich Renk nicht vollständig aus zivilen Märkten zurück. Die Sparte "Marine & Industry" bleibt fester Bestandteil des Portfolios. Der Fokus liegt hier künftig auf technologisch anspruchsvollen Anwendungen für die Energieerzeugung sowie auf Kühlsystemen und Komponenten für die Infrastruktur von KI-Rechenzentren.

Das Management betont, dass diese verbleibenden zivilen Aktivitäten produktionstechnisch eng mit dem Verteidigungsgeschäft verzahnt sind. Dadurch lassen sich erhebliche Synergieeffekte bei Entwicklung, Materialbeschaffung und Fertigung nutzen – ein Vorteil, der beim nun verkauften Gleitlagergeschäft in Hannover offenbar in dieser Form nicht mehr gegeben war.

Kapitalmarkt-Perspektive: Ein logischer Schritt zur Margenoptimierung

Aus Sicht des Kapitalmarktes ist die Transaktion ein folgerichtiger Schritt. Renk-CEO Alexander Sagel brachte es auf den Punkt: Mit dem Verkauf setze man die angekündigte Sektorenstrategie um, den Fokus noch konsequenter auf das renditestarke Verteidigungsgeschäft zu richten.

Für Investoren ist dies eine solide Nachricht. Das Rüstungsgeschäft zeichnet sich in der Regel durch langfristig gesicherte Auftragsbestände, hohe Eintrittsbarrieren für Wettbewerber und überdurchschnittliche Margen aus. Indem sich Renk von weniger synergieträchtigen zivilen Randbereichen trennt, schärft das Unternehmen sein Profil als fokussiertes "Defense-Play" an der Börse. Die Deinvestition verringert das Risiko operativer Reibungsverluste und erlaubt eine effizientere Allokation des Kapitals in diejenigen Bereiche, die aktuell die höchste Eigenkapitalrendite versprechen.

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